Dienstag, 21. Juni 2011

In eigener Sache: Bedeutung des Blog-Titels

Viele haben mich schon auf die Bedeutung des Blog-Titels ange- sprochen, aber so recht wusste bisher niemand die Wortschöpfung zu entschlüsseln. Man braucht dazu nicht nur Spanischkenntnisse, sondern auch Insider- wissen. Daher hier einmal in eigener Sache: Die Analyse.
El Alemaño ist ein Wortspiel. Eine Kombination aus den spanischen Wörtern alemán und maño.
Alemán, das war schon vielen klar, das ist das spanische Wort für "Deutscher". Aber was ist maño? Das Wort kommt aus dem aragonesischen und ist die volkstümliche Bezeichnung für Menschen aus Aragón, einer autonomen Region in Nordspanien. Da ich in Zaragoza wohne, welches die Hauptstadt von Aragonien ist, bin ich daher auch ein maño. Naja, nach mittlerweile 8 Jahren hier, fühle ich mich jedenfalls schon so.
So, jetzt ist es raus. Ach, und wo wir schon mal dabei sind die Wahrheit knallhart auf den Tisch zu packen, ich muss gestehen, der kleine Elf aus dem Titelbild, der die Fackel des Lichts und der Aufklärung so standhaft in die ach so wankelmütige und korrupte Welt reckt, ist kein maño! Upss...

Dienstag, 3. Mai 2011

Kommunikationsversuche mit spanischen Chinesen

Wie überall in der Welt können auch die spanisch-sprechenden Chinesen kein richtiges "R" sprechen und benutzen daher den Buchstaben "L" um ihre phonetische Schwäche zu überdecken. Das ist soweit auch gar nicht schlimm, denn man errät auch so was sie einem sagen wollen, es sei denn, dieser Chinese trifft auf einen Deutschen, der ebenfalls versucht sich in Spanisch verständlich zu machen. Aus dieser witzigen Situation ist die folgende wahre Anekdote entstanden.
Für einige kleinere Wartungsarbeiten in unserer Wohnung benötigte ich vor einiger Zeit einen Bohrer der Größe 2, denn der alte war mir beim letzten Einsatz leider zerbrochen. Also musste ich einen neuen kaufen. Nur wo? Die einfache Antwort: Beim Chinesen um die Ecke, im 99cent-Laden. Der ist billig und hat alles. Also nichts wie hin.
Dort angekommen, wollte mir partout nicht das spanische Wort für "Bohrer" einfallen und koreanisch und japanisch konnte der Chinese leider nicht. Daher versuchte ich es mit Umschreibungen des gesuchten Gegenstands: "Das Ding für die Bohrmaschine", "mit dem man die Löcher in die Wand macht", "aus Metall", "in verschiedenen Größen", "für verschieden große Löcher". Nach einigen Minuten Lamentierens und Pantomime, war klar was ich wollte. Der Chinese sprach es auf Spanisch aus, bloca, und zeigte mir auch gleich die entsprechenden Bohrer in verschiedenen Größen. Ja, ja, bloca, das ist es, bloca! Ich war begeistert, diese Chinesen haben ja alles. Also bedankte ich mich bei ihm wortreich für seine Hilfe bei der Suche nach dem bloca, bezahlte und ging. Komisch war nur, der anfangs so freundliche Chinese blickte mich die ganze Zeit böse an, wurde immer missmutiger und beantwortete auch meinen freundlichen Abschiedsgruß nicht.
Auf dem Weg nach Hause rätselte ich noch lange was ich den nun falsch gemacht hatte. Zuhause angekommen kam mir dann die Erleuchtung: "Bohrer" auf Spanisch heißt broca und nicht bloca. Da ich es aber nicht besser wusste, hatte ich im Gespräch mit dem Chinesen ebenfalls immer bloca gesagt. Der allerdings wusste es besser, konnte es nur nicht aussprechen und dachte daher ich würde ihn die ganze Zeit veräppeln.

Mittwoch, 20. April 2011

Ostern in Spanien

Wenn die Deutschen anfangen Schokoladen-ostereier zu kaufen und die Zweige ihrer knospenden Bäume mit bemalten Ostereiern zu schmücken, dann holt der Spanier seine bombos y tambores (Pauken und Trommeln) aus dem Keller und geht zum Üben in den Park. So bereitet er sich auf auf die jährlichen Osterfeierlichkeiten und Prozessionen der Semana Santa vor.

Prozessionen im allgemeinen sind katholische Rituale, bei denen der Heilige, dem die Kirche oder die Kathedrale gewidmet ist, aus seiner Versenkung im Gotteshaus herausgeholt wird und den Bewohnern des Dorfes oder der Stadt in einem öffentlichen Triumphzug durch die Straßen gezeigt und dabei gehuldigt wird.

Zur Semana Santa allerdings enthalten die Triumphwagen dagegen meist überlebensgroße Darstellungen von Jesus Christus aus den verschieden Stationen seines Lebens. Oft werden die tonnenschweren Figuren von Freiwilligen, auch über Stunden, auf den Schultern getragen. Das ist eine große Ehre! Die Teilnehmer der Prozessionen kleiden sich dabei in Büßergewänder (teils mit spitzen Hüten, wie vom Ku-Klux-Klan bekannt) und in den verschiedensten Farben. Die Farben werden von der Tradition bestimmt und von den typischen Farben des Dorfes oder der Gemeinde. Dazu werden Fahnen, riesige Kreuze und Kerzen getragen. Zu jeder Prozession gehören auch los bombos y tambores, die im Rhythmus eines Trauermarsches mit voller Inbrunst geschlagen werden. Teilweise im Trance vergessen sich die Teilnehmer und schlagen sich dabei die Knöchel und Handinnenflächen an den Pauken wund. Manch dunkler Fleck auf dem Trommelfell zeugt noch heute von vergangenen Obsessionen (siehe Bild).

Montag, 28. März 2011

Spanien zweigeteilt: Madrid oder Barça

Eine der ersten Fragen unter Jugendlichen, unter Kollegen auf Arbeit oder allgemein unter Männer, wenn man sich neu kennenlernt und ein Gesprächsthema sucht, ist die nach der Zugehörigkeit zu einem Fußballclub. Dabei lautet die erste Frage nicht "Welches ist deine Lieblingsmannschaft?", sondern "¿Y tu, que eres, del Madrid o del Barça?" ("Und Du, für wen bist Du, für Madrid oder Barça?"). Erst danach, nach dem Du Dich klar geoutet hast, kommt die Frage nach Deinem eigentlichen Lieblingsclub. Meist ist danach aber schon das Gespräch beendet, weil Du Dich gerade als Gegner Deines Gesprächspartners identifiziert hast.

Die Kunst ist also, in den paar Sekunden nach Beginn des Gesprächs und vor dem Aufkommen der Frage, zu erraten, ob Dein Gegenüber nun Fan oder Hasser von Madrid oder Barça ist. Diese Sekunden sind entscheidend und bestimmen meist, ob Ihr Freunde wertet oder ob man es beim gelegentlichen Begrüßen belässt. Manchmal kann man die Antwort auf die Frage hinauszögern, wenn man darauf hinweist, dass man ja aus Deutschland kommt und seine Clubs dort noch immer am meisten liebt. Auch die sportpolitisch korrekte Antwort, dass man beide Mannschaften mag, weil sie doch beide so tolle Fußballspieler haben, lässt ein Spanier nicht gelten. Das geht nicht, wenn man den einen Club liebt, muss man den anderen hassen und umgekehrt. Schwarz oder weiß. Man muss sich entscheiden. Flagge bekennen.

Befindet man sich zur Zeit des Gesprächs in Madrid oder Barcelona, ist die Antwort leicht, und man liegt in 99% der Fälle richtig. Aber lebt man in Zaragoza, also genau in der Mitte zwischen den beiden "Hauptstädten", dann hat man ein Problem, denn hier liegt die Quote bei 50/50.
Verabschiede Dich also von der Idee mit allen lieb Freund zu sein. Das geht nicht. Also entscheide Dich und benutze die passende Antwort vielleicht sogar als Mittel um Typen loszuwerden, die du sowieso nicht riechen kannst.

Aber eins sei Dir gewiss, die Frage kommt!

Freitag, 25. März 2011

Die nerven die Spanier

Seit Wochen schon, an jedem Wochenende, erschallt aus dem uns nahe gelegenen Park wildes Getrommle. Sehen kann ich nichts, aber selbst bei geschlossenen Fenstern wackeln noch die Scheiben. Was ist da los?

Als Ex-Berliner aus dem Prenzlauer Berg bin ich nerviges Trommeln und Rasseln aus den, im Sommer, in Parks, so unvermeidbaren Bongos gewohnt und besitze deshalb die Kunst sie ohne Probleme so auszublenden, dass sie beim Lesen nicht stören.

Aber das hier ist anders. Größer. Gewaltiger. Unausblendbarer. Mich hält es nicht mehr im Haus. Der Mittagsschaf ist sowieso hin, an Einschlafen ist nicht mehr zu denken. Also los, ab in den Park. Je näher ich komme, um so mehr dröhnt mein Brustkasten, ja mein ganzer Körper, vom Widerhall der Bässe. Noch immer kann ich nichts sehen, nichts erkennen. Da, jetzt, endlich, der Lärm steigert sich in Unermessliche, ich habe das Gefühl kaum noch atmen zu können, Himmel und Hölle tun sich gleichzeitig vor mir auf und ich erkenne...

...ungefähr 50 Verrückte mit riesigen Trommeln und Pauken. Unter ihnen auch Omas, Frauen, Jugendliche und Kleinstkinder, die von den über gehängten Instrumenten fast verdeckt werden. Trotzdem schlagen sie mit einem solchen Enthusiasmus auf Ihr Blech, dass ich ganz taub davon werde.

Was passiert hier? Ich werde gerade Zeuge der Vorbereitungen zur Semana Santa, der spanischen Osterwoche, einer Zeremonie, die aus dem katholischen Glauben entstanden ist und sich zum spanischen Kulturgut entwickelt hat. Mehr dazu im folgenden Post über die Osterfeiertage in Spanien.