Dienstag, 12. März 2013

"El Pueblo" - da wo alle Spanier herkommen

El Pueblo de Albarracín
Wenn uns Deutsche jemand fragt wo wir herkommen, dann ist die Antwort meist ein bekannter deutscher Stadtname, und vielleicht auch noch mit dem Zusatz "...in der Nähe von...". Wir Deutsche, egal aus welchen Dorf wir auch kommen, sind immer stolz darauf in der Nähe einer großen Stadt zu wohnen.

Ganz anders der Spanier, der ist stolz aus einem kleinen Dorf mit 10 Einwohnern zu kommen. Wenn jemand fragt "...y tu de donde eres?" (...und Du, woher kommst du?), dann ist es cool, wenn man ein Dorf nennen kann, dessen Name der Fragesteller nicht mal kennt. Denn niemand sagt Dir den Namen einer Stadt in dessen Nähe er wohnt, denn fast niemand kommt aus einer Stadt. Die meisten, auch wenn ihre Eltern schon in Madrid geboren wurden, nennen Dir den Namen des Dorfes ihrer Eltern, Großeltern oder Urgroßeltern. Das zeigt Zugehörigkeit. Unmöglich das man nicht aus einem Dorf stammt! Und selbst wer schon seit Generationen aus Madrid, Barcelona oder Valencia kommt, der oder dessen Eltern haben mindestens ein Wochenendhäuschen in einem Dorf auf dem Land, am Strand oder den Bergen, dem sie sich mehr zugehörig fühlen, als ihrer hektischen, spröden Heimatstadt.

Der Vorteil aus einem Dorf zu kommen liegt auf der Hand: die Fiestas im Sommer. Denn die Fiestas sind heilig. Egal wo man wohnt, im Sommer, in den Ferien kehren immer alle in ihr Dorf zurück um gemeinsam ihre Fiestas zu feiern, zusammen zu trinken und zu essen. Im Winter ist es leider auch anders herum. Alle verschwinden und gehen zurück in ihre luxuriösen und gut geheizten Stadtwohnungen. Bis zum nächsten Jahr, denn auf eines kann man sich immer verlassen: wenn man ins Dorf zurückkommt ist dort immer noch alles so wie im letzten Jahr.

Donnerstag, 14. Juli 2011

Der Spanier und die Fremdwörter

(c) latanaviajera.blogspot.com
Der Spanier an sich ist kein Freund von Anglizismen, alles was geht wird eingespanischt (españolizado) oder es wird so ausgesprochen, wie ein spanisches Wort. Dabei wird aus den Bands "U2" einfach "U-dos" und aus "Rolling Stones" wird "Los Rolins" oder "Los Estones" (im Spanischen wird bei einem beginnenden S immer ein E mit angefügt, so wie im Wort España).
Auch vor wahrer Kunst wird nicht halt gemacht. So kann es passieren, dass einem beim Gang durch den El Prado in Madrid antike Gemälde auffallen, weil man das Motiv irgendwo her kennt, nur den Namen unter dem Bild nicht zuordnen kann. Gut, El Greco kennt man. Das ist zwar auch eine komplette Einspanischung des wahren Namens Domínikos Theotokópoulos, aber immerhin so bekannt, dass man auch in anderen Ländern schon davon gehört hat. Aber wer bitteschön sind El Bosco oder Alberto Durero. Wenn man die Bilder kennt, hat man es leichter, denn normalerweise sind Hieronymus Bosch und Albrecht Dürer nicht nur in Deutschland bekannt wie bunte Hunde.
Schuld an diesem Sprachen-Wirrwarr, sowie auch an vielen anderen Sachen die in Spanien falsch laufen oder falsch gelaufen sind, hatte Franco und seine Politik der Abgrenzung und Isolierung. Bis zu seinem Tod war in spanischen Schulen nur Französisch als Fremdsprache zugelassen. Daher hat man es noch heute schwer, wenn man sich zum Beispiel beim Bäcker oder im Autobus verständlich machen will.

Freitag, 24. Juni 2011

Die Juanita-Affäre

Viele lustige Geschichten stammen aus der Zeit in Spanien, als ich noch meine liebe Not mit der spanischen Sprache hatte. Die meisten Anekdoten entstanden dabei aus dem Zusammenspiel von Wortverwechselungen, falschen Übersetzungen oder nicht verstandenen Wortspielen. Eine von ihnen ist die sogenannte "Juanita-Affäre".
Es war zu der Zeit, wo ich gerade bei einer Computerfirma als Programmierer arbeitete. In dieser Firma gab es in meiner näheren Arbeitsumgebung einen Juan und auch eine Juanita. Wie man den Namen gut entnehmen kann, Juan war ein Mann, etwa 10 Jahre älter als ich und Juanita eine Kollegin in meinem Alter. Dabei muss man noch erklären: Juana ist die weiblich Form des Namens Juan und Juanita bedeutet so viel wie "kleine Juana", eine Verniedlichung des Namens.
Eines Tages, Juan war gerade nicht im Raum, kam Juanita zu mir und fragte mich, ob ich denn wüsste wo Juan sei. Ich verneinte und stand dann auf um auf die Toilette zu gehen. Und, wie sollte es anders sein, dort traf ich auf Juan, der gerade beim Pinkeln war. Im Dunkeln. In der engen Toilette. Da es dunkel im Bad war, dachte ich es wäre keiner weiter da und öffnete daher schon im Gehen meine Hose, betätigte den Lichtschalter und stand dann erschrocken vor Juan. Peinlich. Ich wollte irgendwas sagen um die peinliche Stille zu durchbrechen und da fiel mir ein, dass Juanita ja nach Juan gesucht hatte. Also kratzte ich in aller Eile meine paar Spanischkenntnisse zusammen und sagte: "Juanita te estoy buscando!". Juan zuckte zusammen, wurde bleich im Gesicht, schloss in aller Eile seine Hose, drängelte sich ohne ein Wort zu sagen an mir vorbei und rannte aus dem Bad.
Während ich noch am Pinkelbecken stand, begann ich zu analysieren, was gerade eben passiert war. Jetzt, mit etwas mehr Zeit zum Überlegen, fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Eigentlich wollte ich ja sagen "Juanita sucht Dich!", leider konjugierte ich das Verb nicht richtig und sagte daher statt "Juanita te esta buscando!" den zweideutigen Satz "Juanita, ich habe dich schon gesucht" ("Juanita te estoy buscando!"). Das, im Zusammenhang mit der halb geöffneten Hose, dem Schreck, dem dunklen und engen Klo, führte wohl zu falschen Vermutungen bei Juan, zwecks meines Erscheinens in der Toilette.

Dienstag, 21. Juni 2011

In eigener Sache: Bedeutung des Blog-Titels

Viele haben mich schon auf die Bedeutung des Blog-Titels ange- sprochen, aber so recht wusste bisher niemand die Wortschöpfung zu entschlüsseln. Man braucht dazu nicht nur Spanischkenntnisse, sondern auch Insider- wissen. Daher hier einmal in eigener Sache: Die Analyse.
El Alemaño ist ein Wortspiel. Eine Kombination aus den spanischen Wörtern alemán und maño.
Alemán, das war schon vielen klar, das ist das spanische Wort für "Deutscher". Aber was ist maño? Das Wort kommt aus dem aragonesischen und ist die volkstümliche Bezeichnung für Menschen aus Aragón, einer autonomen Region in Nordspanien. Da ich in Zaragoza wohne, welches die Hauptstadt von Aragonien ist, bin ich daher auch ein maño. Naja, nach mittlerweile 8 Jahren hier, fühle ich mich jedenfalls schon so.
So, jetzt ist es raus. Ach, und wo wir schon mal dabei sind die Wahrheit knallhart auf den Tisch zu packen, ich muss gestehen, der kleine Elf aus dem Titelbild, der die Fackel des Lichts und der Aufklärung so standhaft in die ach so wankelmütige und korrupte Welt reckt, ist kein maño! Upss...

Dienstag, 3. Mai 2011

Kommunikationsversuche mit spanischen Chinesen

Wie überall in der Welt können auch die spanisch-sprechenden Chinesen kein richtiges "R" sprechen und benutzen daher den Buchstaben "L" um ihre phonetische Schwäche zu überdecken. Das ist soweit auch gar nicht schlimm, denn man errät auch so was sie einem sagen wollen, es sei denn, dieser Chinese trifft auf einen Deutschen, der ebenfalls versucht sich in Spanisch verständlich zu machen. Aus dieser witzigen Situation ist die folgende wahre Anekdote entstanden.
Für einige kleinere Wartungsarbeiten in unserer Wohnung benötigte ich vor einiger Zeit einen Bohrer der Größe 2, denn der alte war mir beim letzten Einsatz leider zerbrochen. Also musste ich einen neuen kaufen. Nur wo? Die einfache Antwort: Beim Chinesen um die Ecke, im 99cent-Laden. Der ist billig und hat alles. Also nichts wie hin.
Dort angekommen, wollte mir partout nicht das spanische Wort für "Bohrer" einfallen und koreanisch und japanisch konnte der Chinese leider nicht. Daher versuchte ich es mit Umschreibungen des gesuchten Gegenstands: "Das Ding für die Bohrmaschine", "mit dem man die Löcher in die Wand macht", "aus Metall", "in verschiedenen Größen", "für verschieden große Löcher". Nach einigen Minuten Lamentierens und Pantomime, war klar was ich wollte. Der Chinese sprach es auf Spanisch aus, bloca, und zeigte mir auch gleich die entsprechenden Bohrer in verschiedenen Größen. Ja, ja, bloca, das ist es, bloca! Ich war begeistert, diese Chinesen haben ja alles. Also bedankte ich mich bei ihm wortreich für seine Hilfe bei der Suche nach dem bloca, bezahlte und ging. Komisch war nur, der anfangs so freundliche Chinese blickte mich die ganze Zeit böse an, wurde immer missmutiger und beantwortete auch meinen freundlichen Abschiedsgruß nicht.
Auf dem Weg nach Hause rätselte ich noch lange was ich den nun falsch gemacht hatte. Zuhause angekommen kam mir dann die Erleuchtung: "Bohrer" auf Spanisch heißt broca und nicht bloca. Da ich es aber nicht besser wusste, hatte ich im Gespräch mit dem Chinesen ebenfalls immer bloca gesagt. Der allerdings wusste es besser, konnte es nur nicht aussprechen und dachte daher ich würde ihn die ganze Zeit veräppeln.