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Donnerstag, 2. Januar 2014

Silvester in Spanien

Wieder ist ein Jahr vorbei und Silvester ist auch überstanden. Allerdings nicht in Spanien. Hier heißt Silvester Nochevieja und die Feiertagsorgie ist erst am 7. Januar vorbei, denn am 6. feiert man hier noch die Ankunft der Reyes Magos (Die Heiligen Drei Könige).

Nochevieja wird wie bei uns auch am 31. Dezember gefeiert. Man trifft man sich am Abend mit Freunden oder der Familie, isst ein ausgiebiges Mahl (meist was mit Fisch und Meeresfrüchten) und um 24 Uhr isst man seine 12 Weintrauben... "Moment... Was? Weintrauben? Wieso das denn?", höre ich Euch fragen.
Seit Anfang des 20sten Jahrhunderts gibt es in Spanien den Brauch mit jedem Glockenschlag der letzten Stunde des Jahres eine Weintraube zu essen. Wer mit dem letzten Schlag alle seine Trauben gegessen und hinuntergeschluckt hat, der kann sich dann etwas wünschen, was auch im neuen Jahr in Erfüllung gehen wird.
Mittlerweile werden im Fernsehen die Glockenschläge der Uhr der Plaza del Sol in Madrid live übertragen, so dass ganz Spanien gleichzeitig im Takt  seine 12 Weintrauben schluckt. Ja schluckt, denn zum Kauen ist kaum Zeit. Der kluge Spanier sorgt vor und kauft kleine, kernlose und abgezählte Trauben in der Dose oder im Plastikbecher, denn die kann man hier überall zu Silvester kaufen (siehe Bild).
Manch Spanier munkelt, dass das alles von Wein-Industrie gesteuert wird, die sich so über weiteren Absatz ihrer noch verbliebenen Trauben freuen kann. Andere behaupten, dass die kernlose Weintraube extra nur für die Nochevieja gezüchtet wurde. Aber das sind alles nur Vermutungen...

Mittwoch, 27. Oktober 2010

Bezahlen und Trinkgeld

Der Spanier an sich ist ein Trinkgeldmuffel und gibt in der Regel wenig Trinkgeld. Meistens nur das Kleingeld, welches nach dem Rausgeben übrig bleibt. Selbst in Restaurants wird das so gehandhabt. Daraus sollte man aber nicht auf den Charakter schließen. Spanier sind sehr großzügig und man wird viel und oft eingeladen, selbst von Leuten, die es sich eigentlich nicht leisten können.

Auch beim Bezahlen gibt es große Unterschiede. In Deutschland wird meist in einem Akt bezahlt. Man fragt nach der Rechnung. Der Ober/Kellner bringt sie, sagt den Preis und wartet dann geduldig und mit schon geöffneter Börse, dass man ihn bezahlt. Man wird regelrecht unter Druck gesetzt. Dabei kann es schon mal verkommen, dass, wenn man eine Rechnung von 15,96 EUR bezahlen muss und nur einen Zwanziger hat, man dem drängelnden Ober aus versehen "stimmt so" zuruft und später entsetzt feststellen muss, dass man zu viel Trinkgeld gegeben hat.
Im Gegensatz dazu lässt man sich in Spanien immer das komplette Geld raus geben, der Ober geht, und erst dann entscheidet man in aller Ruhe, ob der Kellner sich sein Trinkgeld verdient hat oder nicht und wie viel. Dieses Geld lässt man dann einfach auf dem Tisch liegen, wenn man geht. Kein Druck, kein Stress und man behält immer die Oberhand.

Der nächste große Unterschied zu Deutschland ist, in Spanien bezahlt man immer zusammen. Essen oder trinken mehrere Pärchen zusammen, bezahlt entweder zum Schluss einer für alle, oder es wird zusammengelegt, bis man auf den Preis kommt. Meist bezahlt dabei jeder den gleichen Teil, egal, ob er nun ein Bier statt einem Selters hatte oder nicht. Darüber wird hinweg geguckt. Dabei wird natürlich auch nur einmal Trinkgeld gegeben.
In Deutschland dagegen bezahlt jeder für sich und jeder bezahlt auch Trinkgeld. Da freut sich der Kellner.

Ein weit verbreiteter Brauch hier in Spanien ist, einen Pott zu machen. Jeder gibt dazu die gleiche Menge Geld in einen imaginären Pott und dann wird Tapern oder Trinken gegangen und alles mit diesem Geld bezahlt. Wenn jemand aus der Gruppe nur maximal 15 EUR ausgeben will, dann bezahlen alle 15 EUR und wenn nichts mehr da ist, dann sind die, die nicht mehr ausgeben wollen raus und der Rest legt noch mal was nach, was relativ häufig geschieht, denn die Nächte in Spanien sind lang.

Donnerstag, 17. Juni 2010

Das Problem mit der Zeit 1 - Essenszeiten

Wir alle kennen das Phänomen wenn wir im Urlaub in Spanien sind, die Deutschen essen in ihren Hotels und kein Spanier ist weit und breit zu sehen. Und erst wenn die letzten Deutschen mit ihrem Essen fertig sind, sei es nun Frühstück, Mittagessen oder Abendbrot, dann erst kommen die ersten Spanier. Das ist nicht nur im Urlaub so oder in Mallorca, das ist ein generelles Phänomen. Aber warum ist das so? Hier der Versuch einer Erklärung.

Allgemein verbreitet ist der Glaube, dass das späte Essen (Abendessen um 22 Uhr) vor allem daran liegt, dass es in Spanien abends im Sommer sehr heiß ist und man daher vorher keine Lust hat was zu essen und so die Zeit anders nutzt. Oder, dass Spanien eigentlich in einer anderen Zeitzone liegen müsste - der von England -, als der Rest von Europa und daher eigentlich später essen müsste, um sich so besser an die Sonnenscheinzeiten anzupassen.

Das alles stimmt auch ein bisschen, ist aber nicht die ganze Wahrheit. Fakt ist, dass die Spanier in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts noch die gleichen Essenszeiten hatten wie Resteuropa (ca. 12:30 Uhr), aber dann davon abgekommen sind. Was war der Grund dafür? Die Antwort: Der Bürgerkrieg und seine Folgen.

Eine dieser Folgen war, dass das Geld was der Mann von seiner Arbeit nach Haus gebracht hat nicht mehr ausreichte um die ganze Familie zu ernähren. Die Frau arbeitete damals nicht, bzw. durfte auch unter Franco nur mit der Erlaubnis des Mannes eine eigene Arbeit haben. Daher war die einzige Lösung, sich eine weitere Arbeitsstelle zu besorgen und dort am Nachmittag oder Abend noch einmal Geld zu verdienen.

Die Folgen dieser doppelten Arbeitsweise sind auch noch heute überall zu beobachten.
  • Man arbeitet Vormittags lange bis 14 oder 15 Uhr - denn die normale erste Arbeit musste beendet werden, damit später am Tag Zeit war für die zweite Arbeit.
  • Die Mittagspause ist meistens 2 - 3 Stunden lang (bis 17 oder 17:30 Uhr) - früher klar, man ging nach Hause um dann später zu einer anderen Arbeit zu fahren.
  • Man hält eine lange Siesta (Mittagsschlaf) - denn wer abends länger arbeitet, braucht auch mehr Kraft.
  • Die Mittagsmahlzeit (menu del día) ist mehr als reichlich und besteht meist aus 2 oder 3 Gängen (platos) - denn wer viel arbeitet muss auch viel essen.
  • Die "Primetime" im Fernsehen beginnt in Spanien erst ab 22 Uhr, wenn Resteuropa meist schon ins Bett geht. Filme enden meist erst gegen 0:30 oder 1 Uhr.
  • Die Partys beginnen später und der Disco-Besuch fängt in Spanien erst ab 2 Uhr nachts erst an, wenn in anderen Ländern Europas die Sperrstunde beginnt.
  • Die Nachtschlafzeit der Spanier ist Statistiken zu Folge die kürzeste von ganz Europa.
...und last but no least: Abends wird spät gegessen.

Donnerstag, 8. April 2010

Zum Frühstück Wein


Eine weitere Besonderheit hier in Spanien ist, dass sich niemand daran Anstoß nimmt, wenn hier zur Frühstückspause auf der Arbeit Bier oder Wein bestellt wird. Normal ist natürlich das Bestellen von Café in seinen verschiedensten Erscheinungsformen (aber dazu mehr in einem extra Post), doch genauso normal ist die caña (kleines Bier) oder der chato (Schluck Wein).
In Deutschland würde schon die Hölle los sein. Die Kollegen würden sich das Maul zerreißen und der Chef hätte schon längst den Lebenslauf des Nachfolger in der Hand. Hier dagegen geht man zusammen mit dem Chef zum Frühstück ein Schlückchen trinken.
Besonders am Freitag (ist ja im Prinzip schon Wochenende) wird besonders kräftig zugelangt: Huevos fritos con patatas y jamón o chorizo (Spiegeleier mit Fritten und Serrano Schinken oder Paprikawurst), dazu ein Weinchen, für die es weniger gut vertragen vino con gaseosa (Wein mit Brause verdünnt)... Salud!